Aktuelle Zahlen zur Entwicklung der Vereinslandschaft in Deutschland
Demokratien leben von Räumen, in denen Menschen zusammenkommen, gemeinsame Interessen verfolgen und in den Dialog treten. Immer wieder wird davor gewarnt, dass vielerorts Orte der Begegnung verloren gehen könnten.
In Deutschland spielen Vereine als Begegnungsorte traditionell eine zentrale Rolle. 94 Prozent aller zivilgesellschaftlichen Organisationen sind in der Rechtsform des Vereins organisiert. Zudem zeigt der Deutsche Freiwilligensurvey, dass mehr als die Hälfte der freiwillig Engagierten ihr Engagement im Kontext eines Vereins ausübt.
Vor diesem Hintergrund bildet die kontinuierliche Berichterstattung über Entwicklungen in der Vereinslandschaft einen wichtigen Baustein zur Gestaltung einer evidenzbasierten Engagementpolitik.
Allerdings ist die Datenlage zur Gesamtheit der Vereine in Deutschland weiterhin eingeschränkt. Von staatlicher Seite liegt lediglich die Justizstatistik vor, welche die jährliche Bestandsentwicklung durch Neueintragungen und Löschungen erfasst. Genauere Informationen zu regionalen Entwicklungen oder inhaltlichen Verschiebungen fehlen darin jedoch.
An dieser Lücke setzt das im September 2026 veröffentlichte Papier an: Es nutzt die amtliche Justizstatistik sowie eine aktuelle Vereinsregisterauswertung von ZiviZ im Stifterverband von März 2026, um den derzeitigen Stand der Vereinszahlen, ihre regionale Verteilung sowie Veränderungen hinsichtlich der von Vereinen adressierten thematischen Schwerpunkte nachzuzeichnen.
Die zentralen Ergebnisse der Untersuchung
- 628.992 Vereine waren im März 2026 im Vereinsregister eingetragen. Das sind über 10.000 Vereine mehr als im Jahr 2022 – ein Hinweis auf eine neue Dynamik von Vereinsgründungen.
- In Berlin steigt der Vereinsbestand am stärksten (plus 17 Prozent seit 2016), in Bremen (minus 6 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (minus 5 Prozent) ist er hingegen rückläufig.
- Das Saarland hat mit 10,6 Vereinen pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner die höchste Vereinsdichte. Geringer ist die Vereinsdichte insbesondere in den norddeutschen Ländern Schleswig-Holstein (6,0), Hamburg (5,5) und Bremen (5,0).
- Zwar ist die Gründungsdynamik in den Großstädten höher, aber auch dünn besiedelte ländliche Kreise verzeichnen weiterhin mehr Neueintragungen als Löschungen. Ein flächendeckendes "Vereinssterben" ist nicht festzustellen.
- Neugegründete Vereine sind am häufigsten im Bereich Kultur aktiv (16 Prozent), gefolgt von Sport (13 Prozent), Bildung (13 Prozent) und Freizeit (13 Prozent).
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Wissenschaftlicher Referent
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