Eine empirische Untersuchung
Ob allein zu Hause, in der lokalen Blaskapelle oder im großen Konzertchor: Über 16,3 Millionen Menschen in Deutschland musizieren in ihrer Freizeit. Dies zeigt eine repräsentative Befragung des Deutschen Musikinformationszentrums. Für die Mehrheit steht dabei das gemeinschaftliche Erlebnis im Vordergrund, denn rund 67 Prozent der Musizierenden sind auch außerhalb der eigenen vier Wände aktiv und musizieren gemeinsam in Ensembles wie Chören, Orchestern oder Bands.
Die im Oktober 2026 veröffentlichte Studie untersucht die wirtschaftliche Bedeutung der Amateurmusik in Deutschland. Ziel ist es, sich der ökonomischen Bedeutung dieses Feldes erstmals empirisch zu nähern und dabei die direkten finanziellen Ausgaben der verschiedenen Akteure in den Fokus zu nehmen. Dazu wurden bundesweite Befragungen von Amateurmusizierenden, Amateurmusikensembles (Chöre, Orchester, Bands) sowie Verbänden der Amateurmusik durchgeführt. Die Untersuchung wurde im Auftrag des Bundesmusikverbands Chor & Orchester e.V. (BMCO) erstellt.
Die zentralen Ergebnisse der Studie:
- Gesamtvolumen der Ausgaben von Amateurmusik: Die Studie schätzt das Volumen der Gesamtausgaben der Amateurmusik in Deutschland für das Jahr 2025 auf mindestens 22,4 Milliarden Euro. Davon entfallen mindestens 21,1 Milliarden Euro auf die privaten Ausgaben der rund 16,3 Millionen Amateurmusizierenden und 1,3 bis 1,4 Milliarden Euro auf die Ausgaben der bundesweit knapp 92.300 Ensembles.
- Ausgaben von Amateurmusizierenden ab 16 Jahren: Amateurmusizierende ab 16 Jahren wenden durchschnittlich 1.516 Euro im Jahr für ihr Musizieren auf. Die größten Kostenpunkte sind der Kauf von Instrumenten (26 Prozent) sowie Musikunterricht (13 Prozent). Die Höhe der individuellen Ausgaben wird maßgeblich durch das Haushaltsnettoeinkommen, das Alter und den Musizierkontext (zum Beispiel Ensemble-Mitgliedschaft) beeinflusst.
- Gemeinsames Musizieren geht mit höheren Ausgaben einher: Amateurmusizierende, die auch außerhalb des privaten Rahmens in Chören, Orchestern, Bands oder anderen Ensembles aktiv sind, geben mit durchschnittlich 1.529 Euro pro Jahr deutlich mehr aus als Personen, die ausschließlich zu Hause oder bei privaten Anlässen musizieren (859 Euro). Ensembleaktivitäten erzeugen damit zusätzliche wirtschaftliche Impulse, etwa durch Fahrtkosten, Teilnahmebeiträge, Übernachtungen, Verpflegung und Veranstaltungen.
- Ausgaben für Instrumentalmusik und Vokalmusik: Die Art des Musizierens bestimmt die Kostenstruktur erheblich. Rein instrumental Musizierende geben mit durchschnittlich 1.724 Euro im Jahr mehr als doppelt so viel aus wie rein vokal Musizierende (709 Euro).
- Ausgaben von Amateurmusizierenden zwischen 6 und 15 Jahren: Bei den Sechs- bis 15-Jährigen belaufen sich die durchschnittlichen Kosten auf 1.288 Euro pro Jahr. Musikunterricht nimmt mit 30 Prozent den größten Ausgabenanteil ein, gefolgt vom Instrumentenkauf (26 Prozent) und den Beitragszahlungen an Musikschulen (13 Prozent).
- Ausgaben von Amateurmusikensembles: Musikensembles haben im Jahr durchschnittliche Ausgaben in Höhe von 14.163 Euro. Personalkosten wie Honorare für Ensembleleitungen beanspruchen mit 45 Prozent fast die Hälfte dieses Budgets. Zur Deckung ihres Finanzbedarfs zeigen die Ensembles eine hohe finanzielle Eigenverantwortung: Knapp zwei Drittel (62 Prozent) der Einnahmen werden aus selbst erwirtschafteten Mitteln wie Eintrittsgeldern (37 Prozent) und Mitgliedsbeiträgen (25 Prozent) generiert, während öffentliche Fördermittel im Schnitt nur elf Prozent ausmachen. Instrumentalensembles müssen für Transport, Unterkünfte und Raummieten weitaus mehr aufwenden, während bei vokal musizierenden Ensembles die Personalkosten stärker ins Gewicht fallen.
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