Sportstudie

Das Erfolgsmodell Sport wandelt sich

Deutschland ist das Land der Vereinsmeier, und man könnte ergänzen: der Sportverein ist der deutsche Verein in Reinform. Vom ehrenamtlichen Engagement seiner Mitglieder getragen, gemeinschaftlich verbunden, Akteur und Bühne kommunalen Lebens, verankert über alle Schichten, Milieus und soziale Gruppen hinweg in der ganzen Bevölkerung - kurz: der Sport ein Sonderfall der organisierten Zivilgesellschaft. Aber auch wenn der Sportverein ein Erfolgsmodell ist geht der soziale Wandel doch nicht spurlos an ihm vorüber. Denn der Sportverein wandelt sich. Außerdem treten an seine Seite neue Mitstreiter im Feld des gemeinnützigen Sports. Neben den klassischen Sportvereinen entdecken Stiftungen, Bürgerstiftungen, Träger der freien Jugendhilfe und andere den Bereich Sport und Bewegung für ihre jeweiligen Zielsetzungen. Kurz: der gemeinnützige Sport wird pluraler, vielgestaltiger. Zu diesem Befund kommt eine Studie, die die Geschäftsstelle ZiviZ im Stifterverband, gefördert durch den DOSB, erarbeitet hat.

Hürde Mitgliedschaft? 

Mitgliedschaft sind gleichermaßen Hürde und Potential für die Entwicklung von Sportvereinen - auch das ein Ergebnis der Studie. Seltener als in fast allen anderen Bereichen (Kultur, Gesundheit, Soziales u.a.) des gemeinnützigen Sektors kamen Engagierte im Bereich Sport über Eigeninitiative in ein bürgerschaftliches Engagement. Zwei Drittel der Engagierten gaben an, für ihr aktuelles Engagement von Anderen angefragt oder geworben worden zu sein. Eine mögliche Erklärung für diese vergleichsweise hohe Bedeutung netzwerkvermittelter Zugänge ins Engagement mag darin liegen, dass Sportvereine klassische Mitgliederorganisationen sind. Mitglieder erbringen in Selbstorganisation Leistungen für andere Mitglieder. Mit anderen Worten: Produzenten und Konsumenten der von Sportorganisationen erstellen Leistungen sind identisch. Was selbstverständlich erscheinen mag ist das keinesfalls. Denn in vielen Engagementbereichen setzen sich Engagierte für Personen und Ziele ein, die außerhalb ihrer Organisation liegen. Das gilt für entwicklungspolitische Organisationen genauso wie für Einrichtungen im Bereich Bevölkerungs- und Katastrophenschutz oder in den Bereichen Soziale Dienste und Gesundheit. Die Gemeinschaft der Mitglieder ist damit das Mobilisierungsreservoir für neue Engagierte, also eine wichtige Ressource für das Vereinsleben. Die ausgeprägten Mitgliedschaftsstrukturen von Sportvereinen können aber auch eine Hürde für die Gewinnung neuer Engagierter sein. Denn wie sich zeigt taten sich Sportvereine wesentlich leichter neue Engagierte zu gewinnen, wenn das Engagement nicht notwendig an den Mitgliedschaftsstatus gebunden wird. Offensichtlich ist ein wachsender Anteil von Engagierten also an einem Engagement interessiert, mit dem nicht gleich eine langfristige gemeinschaftliche Bindung an den Verein eingegangen wird. 

Fließende Ränder des organisierten Sports 

Jenseits des weiten Feldes klassischer Sportvereine gibt es ein jüngeres, sehr dynamisches Feld bestehend aus Fördervereinen, Bürgerstiftungen, Trägern der Jugendhilfe, Vereinen, die in der Stadtteilarbeit und anderen Feldern aktiv sind, die ebenfalls den Sport für sich entdecken. Diese Organisationen sind deutlich seltener verbandlich organisiert. Es entwickeln sich also so etwas wie fließende Übergänge am Rand des gemeinnützigen Sports, die möglichweise auch gelesen werden können als Entwicklungs- und Kooperationsmöglichkeiten für die klassischen Sportvereine. 

Die Studie kann hier als pdf-Dokument heruntergeladen werden. 

Druckexemplare der Studie können bestellt werden bei Angelina Franco: angelina.franco(at)stifterverband.de

ZiviZ-Flyer 2016

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